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Aktueller Newsletter | Juli 2026
Schreibwerkstatt/News
Hier eine kleine Passage aus meinem noch immer in Arbeit befindlichen Erzählband „Geschichten aus Bennis Welt“:
"Zaun. Wiese. Felder ... Immer gibt es ein Dahinter. Gibt es eigentlich auch etwas, hinter das niemand gehen kann?" Benni schaute zum Himmel.
Oma Lene schwieg.
"Was meinst du?", fragte sie nach einer Weile.
"Wenn ich immer weiter dahinter gehe, dann bin ich doch immer irgendwo. Und irgendwann bin ich da, wo ich gerade bin."
"Vielleicht erzählt die Stille, wir sind schon da." Die Großmutter nickte.
"Ich höre mal ...", sagte Benni und legte seine Handflächen flach auf die Erde.

Das „Vielleicht“: Welch ein schönes Wort!
Es muss keine Beliebigkeit folgen, wenn ein Satz damit beginnt.
Beliebigkeit sagt:
Vielleicht so.
Vielleicht anders.
Man weiß es eben nicht so ganz genau.
Wenn Oma Lene sich mit Benni unterhält und mit "vielleicht" auf eine seiner Fragen antwortet, dann kommt es mir so vor, als wolle sie nichts behaupten, was er nicht selbst entdecken könnte ...
Genau darum geht es während der Überarbeitungsphase meiner Rohfassung, die noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. Zwanzig Geschichten sind geschrieben, für zwei gibt es Entwürfe.
In den vergangenen Monaten ist mir viel klarer geworden, was genau ich verändern möchte.
Ich gehe vor allem der Frage nach, an welchen Stellen die Erzählstimme etwas erklärt, Bedeutung vermittelt oder Textabschnitte unnötig rahmt – sei es vorauseilend oder abschließend. Außerdem untersuche ich, an welchen Stellen abstrakte Begriffe verwendet oder Botschaften benannt werden, also wo etwas behauptet wird, anstatt es in der Szene zu zeigen.
Ein Grund dafür, dass ich mein Sachbuchprojekt, den Migräne-Ratgeber, auf Eis gelegt habe, mag darin liegen, dass ich inzwischen entdeckt habe, wie viel lieber ich Geschichten schreibe. Sie liefern keine Antworten, sondern halten Fragen offen. So lange, bis sie sich aus der Erfahrung, aus dem gemeinsamen Schauen mit den Figuren selbst beantworten.
Das Abstraktum „Unhintergehbarkeit“, im Juli frisch „entdeckt“, habe ich in obiger Erzählpassage szenisch zu übersetzen versucht. Fast zeitgleich ist das folgende Gedicht entstanden:
Schritt ins Bleiben
Wer öffnet das Tor?
Was die Flügel zusammenbindet,
lässt sich nicht lösen.
Undurchschreitbar.
Ich steh zu nah dran.
Ich.
Zu dicht.
Im Weg.
Ein Schritt zurück.
Atmen.
Schauen.
Wo endet der Himmel?
Alles kann hintergangen werden.
Nur nicht, worin es erscheint.
Ich sitze unbewegt.
Kein Fliegen.
Überall.

Bildnachweise:
1) Illustration KI-generiert nach einer literarischen Szene einer Kurzgeschichte von Karin Lühr
2) Foto von Frederick Adegoke Snr. von Pexels:
https://www.pexels.com/de-de/foto/rustikales-holztor-in-uppiger-gruner-landschaft-37164155/
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