Die Glasbläserin
Inspiration: ein Ursprungsatem
hineingehaucht in jenen Raum,
der – sich verbindend – Separatem
die Resonanz entlockt. Ihr Saum:
des Flötentones Schwingmembrane,
wo Schallwelt trifft auf Weltenall
im zweiten Innen. Zugetane,
ganz Ohr, herzlauschend, Intervall
erkennend, geben Widerhall –
gefunden von Faurés Pavane.
Es tanzt die Zeit, klar wie Kristall.
Das Momentane, nicht Vertane
gleicht einem Bildervers, der – kaum
im Kugelglas – von halbprivatem
Behältnis wird bewahrt als Traum.
Die Kunst bleibt wahr und ostinatem
Motiv, das doch veränderlich,
schenkt sich die Bläserin von Neuem.
Der Dichter bläst das Glas, um sich
als Wort hineinzugeben. Treuem
wohnt Lebensodem inne. Zartem
wird Feingefühl entsprechen. Zaum
legt niemals an, der Obligatem
die Stimme leiht. Nun klingt der Baum.
Der Syrinx Sang, der Blätter Fall:
durchweht von Kraft. Ob Klangromane,
ob ein Gedicht – des Schöpfers Ball
fängt sicher, wer die simultane
Bewegung in sich spürt. Zum Werkzeug,
zum Instrument, das freudig dient,
wird umgewandelt, wer sich hinbeug
und den empfang’nen Lufthauch schient
im Silberglanz des Flötenrohrs.
Der Ton, der seine Richtung kennt,
wächst wie ein Kelch aus Luft; des Chors
zu Lichtglas schmelzend’ Feuer brennt.
für C., Dezember 2025