Nicht alles ist zu jedem Zeitpunkt machbar. Nichts kann erzwungen werden. Wenn ich aber entschlossen anfange, und dann den Gegebenheiten flexibel begegne, spüre ich, dass ich im Fluss bin, und in Verbindung mit etwas Größerem, das über meine persönlichen Intentionen hinausgeht. Auch Widrigkeiten haben dann ihren tieferen Sinn.
Einmal habe ich in dieser Phase einer Bekannten bei einem kurzen Zusammentreffen in groben Zügen erzählt, womit ich gerade beschäftigt war. Jetzt noch sehe ich innerlich ihr herzliches Lachen, und höre ihre klaren Worte: „Einfach MACHEN!!!“
Diesen beiden Worten enthielten, was sie selber erlebt hatte, und sie trafen in dem Moment auf meine eigene Einsicht. Beide hatten wir erfahren: So geht es…
Ein bekanntes Goethe-Zitat lautet: „Es hört doch jeder nur, was er versteht.“
Ja - ihre Worte habe ich verstanden, und sie haben mich an jenem Tag in meinem Tun sehr gestärkt. Das waren keine leeren Worthülsen ohne innere Kraft, wie ein (zwar gut gemeinter) Hinweis, der – mehr oder weniger aus eigener Überforderung und Hilflosigkeit – schnell ausgesprochen wird, aber letztlich den anderen ohne echte Hilfe dastehen lässt. „Einfach machen!“ war hier ein weiser Rat, der mit authentischer Erfahrung gefüllt war. Sie wusste: Ihn umzusetzen ist nicht immer leicht, sondern manchmal kann das Dabeibleiben auch schwerfallen, aber im Grunde ist die Sache einfach und eindeutig. Durch ihre Worte habe ich (als Hörende) einen in Gang haltenden Energieschub für mein schon begonnenes Vorhaben bekommen – in jenem Moment, aber auch später, als ich mich von Zeit zu Zeit wieder daran erinnert habe.
Auch ‚loslegen‘ bezeichnet einen Anfang. Hier fängt es augenscheinlich mit dem Loslassen an, wenn wir zum Beispiel an ein Boot denken, das vom Steg ablegt. In dieses neue Jahr können wir mit offenem Herzen und viel Vertrauen hineingehen, und ganz bewusst unsere Ängste, Zweifel und Sorgen loslassen.
Pater Franz Jalics, dem ich unendlich viel verdanke, hat regelmäßig über das Weinstock-Gleichnis im Evangelium gepredigt. Aus einem seiner Bücher möchte ich einige Sätze zitieren:
„Statt euch auf eure Trauben zu konzentrieren, verbindet euch mit dem Weinstock! Dann wird die Kraft des Weinstocks durch euch fließen, und ihr werdet reiche Frucht hervorbringen. Dabei werdet ihr auch von eurem Leistungsdruck, von eurem Zwang, euch zu vergleichen, und von euren Spannungen befreit. Ihr beschäftigt euch nur mit euch selbst, nur mit euren Sorgen, mit eurem Erfolg. Kehrt um, verbindet euch mit dem Weinstock! Bleibt mit allen euren Sinnen und mit ganzer Kraft bei ihm. Er sorgt für reiche Frucht. […] Wendet euch eurer Quelle zu, und alles wird euch geschenkt.“